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Technik verstehen

Wie weit komme ich mit einer Akkuladung?

Kurzantwort

Wie weit komme ich mit einer E-Bike-Akkuladung wirklich?

Die Reichweite ergibt sich aus Akkukapazität geteilt durch Verbrauch. Typisch sind 8 bis 12 Wattstunden pro Kilometer in der sparsamen Stufe, 12 bis 18 in der mittleren und über 20 in der stärksten. Ein 625-Wh-Akku bringt damit etwa 35 bis 75 Kilometer. Herstellerangaben gelten unter Idealbedingungen und liegen meist deutlich darüber.

Die einzige Formel, die du brauchst

Reichweite ist keine Eigenschaft des Rades, sondern ein Rechenergebnis: Akkukapazität in Wattstunden geteilt durch den Verbrauch in Wattstunden pro Kilometer. Ein Akku mit 625 Wh und einem Verbrauch von 12 Wh/km ergibt rund 52 Kilometer. Derselbe Akku mit 20 Wh/km ergibt gut 31 Kilometer.

Der Verbrauch ist die Stellschraube, die du in der Hand hast. Er hängt vor allem an der Unterstützungsstufe, am Gesamtgewicht aus Fahrer und Gepäck, am Höhenprofil, am Gegenwind, an der Temperatur und am Reifendruck. Deshalb sind die Angaben auf Prospekten so groß und in der Praxis so selten erreichbar: Sie entstehen unter günstigen Bedingungen, mit leichtem Fahrer, in der sparsamsten Stufe, auf ebener Strecke.

Realistische Reichweiten nach Akkugröße

Die folgenden Werte sind Erfahrungswerte für ein Trekking- oder City-Pedelec mit rund 25 Kilogramm, einem Fahrer um 80 Kilogramm und leichter Zuladung, gefahren im hügeligen Umland von Nürnberg. Auf reiner Flachstrecke am Kanal liegt es höher, mit Kindersitz und Gegenwind darunter.

Akku sparsame Stufe (ca. 10 Wh/km) mittlere Stufe (ca. 15 Wh/km) stärkste Stufe (ca. 22 Wh/km)
400 Wh ca. 40 km ca. 27 km ca. 18 km
500 Wh ca. 50 km ca. 33 km ca. 23 km
625 Wh ca. 62 km ca. 42 km ca. 28 km
750 Wh ca. 75 km ca. 50 km ca. 34 km
800 Wh ca. 80 km ca. 53 km ca. 36 km
2 × 500 Wh ca. 100 km ca. 67 km ca. 45 km

Was die Reichweite am stärksten frisst

Die Unterstützungsstufe ist mit Abstand der größte Hebel. Wer dauerhaft in der stärksten Stufe fährt, halbiert die Reichweite gegenüber der sparsamen — das ist mehr, als jeder Akkuaufpreis wieder hereinholt.

An zweiter Stelle steht das Gewicht. Fahrer, Gepäck, Kindersitz und ein voll beladener Einkaufskorb summieren sich, und jedes Kilo will an jeder Steigung mit hoch. An dritter Stelle kommen Kälte und Reifendruck. Ein Akku gibt bei null Grad spürbar weniger her als bei zwanzig, und ein Reifen mit zu wenig Luft kostet auf jeder Strecke Energie.

  • Unterstützungsstufe: der größte Einzelfaktor, leicht zu ändern
  • Gesamtgewicht inklusive Gepäck und Anhänger
  • Höhenmeter — Steigungen kosten überproportional viel
  • Gegenwind, besonders auf freien Strecken am Kanal
  • Temperatur unter etwa fünf Grad
  • Reifendruck und Reifenprofil
  • Trittfrequenz: rundes, zügiges Treten entlastet den Motor

Mehr Reichweite ohne größeren Akku

Bevor du einen Zweitakku kaufst, hol das Einfache heraus. Wer eine Stufe niedriger fährt und dafür etwas leichter tritt, gewinnt regelmäßig zwanzig bis dreißig Prozent Reichweite, ohne nennenswert langsamer zu werden. Die meisten Systeme lassen sich außerdem in ihrer Charakteristik anpassen, sodass die mittlere Stufe zurückhaltender arbeitet.

Ebenso wirksam: richtiger Reifendruck, eine saubere und geschmierte Kette und ein Schaltverhalten, bei dem der Motor nicht dauernd aus niedriger Drehzahl heraus ziehen muss. Bergauf früh herunterschalten spart mehr Strom als jede Fahrstil-Diskussion.

Wie viel Akku brauchst du wirklich?

Rechne deine längste regelmäßige Strecke, verdopple sie für Hin- und Rückweg und rechne dreißig Prozent Reserve drauf. Wer damit unter 400 Wh landet, braucht keinen 750er. Ein größerer Akku kostet Geld, wiegt mehr und bringt am Rad mehr Gewicht an eine Stelle, an der man es beim Rangieren merkt.

Umgekehrt gilt: Wer Touren fährt, im Hügeligen unterwegs ist oder mit Anhänger und Kind hantiert, ist mit reichlich Kapazität besser bedient als mit einem knappen Akku, den er ständig am Limit fährt. Ein Akku, der selten tief entladen wird, altert außerdem langsamer.

Häufige Fragen

Warum schaffe ich nie die Reichweite aus dem Prospekt?

Weil die Prospektwerte unter Idealbedingungen entstehen: sparsame Stufe, ebene Strecke, leichter Fahrer, Windstille, milde Temperatur, optimaler Reifendruck. In der Praxis liegen die erreichbaren Werte häufig bei knapp der Hälfte bis zwei Dritteln davon. Das ist kein Defekt, sondern der Unterschied zwischen Messnorm und Alltag.

Lohnt sich ein Zweitakku statt eines größeren Akkus?

Oft ja. Zwei kleinere Akkus lassen sich getrennt laden, getrennt lagern und einzeln ersetzen, und du nimmst den zweiten nur mit, wenn du ihn brauchst. Prüfen musst du, ob dein Rahmen und dein Motorsystem einen zweiten Akku überhaupt vorsehen — nachrüsten lässt sich das selten.

Bricht die Reichweite im Winter wirklich ein?

Ja, und das ist normal. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt liefern Lithium-Ionen-Zellen deutlich weniger Energie. Nimm den Akku bei längeren Standzeiten mit in die Wohnung, setz ihn erst kurz vor der Fahrt ein und lade ihn bei Zimmertemperatur. Nach dem Aufwärmen ist die Kapazität wieder da.

Kann ich die Restreichweite im Display glauben?

Als Richtwert ja, als Versprechen nein. Die Anzeige rechnet aus dem bisherigen Verbrauch hoch. Wechselt das Profil — plötzlich Steigung, Gegenwind oder eine höhere Stufe — springt der Wert entsprechend. Verlass dich auf der letzten Etappe lieber auf die Prozentanzeige des Akkus.

Schadet es dem Akku, ihn ganz leer zu fahren?

Gelegentlich passiert nichts, dauerhaft ist es ungünstig. Tiefentladung stresst die Zellen, und ein leerer Akku, der wochenlang liegen bleibt, kann dauerhaft Schaden nehmen. Besser ist es, im mittleren Bereich zu bleiben und nicht regelmäßig bis zur Abschaltung zu fahren. Lade ihn nach einer sehr tiefen Entladung möglichst bald wieder auf.