Radwege im Winter: was in Nürnberg geräumt wird — und was nicht
Werden die Radwege in Nürnberg im Winter geräumt und gestreut?
Die Stadt Nürnberg sichert im Winterdienst nach eigenen Angaben rund 300 Kilometer Geh- und Radwege, ein Teil davon in eigenen Radwegetouren mit auftauenden Streustoffen. Geräumt wird tagsüber, nicht nachts. Welche Route in welcher Stufe dran ist, steht im Radwegenetzplan Winterdienst von SÖR. Der Rest ist deine Sache.
Wer räumt, und mit welchem Auftrag
Zuständig für den Winterdienst im öffentlichen Raum ist in Nürnberg der Servicebetrieb Öffentlicher Raum, kurz SÖR. Für die Saison stehen nach Angaben des Betriebs 201 Einsatzfahrzeuge bereit, davon 41 Großfahrzeuge und 160 Kleinfahrzeuge, dazu 390 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Zweischichtbetrieb mit 22 Stunden Einsatzbereitschaft.
Der Auftrag lautet differenzierter Winterdienst: so wenig Salz wie möglich, so viel wie nötig. Fahrbahnen werden in der Reihenfolge ihrer Verkehrsbedeutung geräumt und gestreut, Priorität 1 haben Hauptverkehrsstraßen mit ÖPNV oder starkem Verkehr. Verkehrsarme Wohnstraßen werden nicht regelmäßig gestreut.
Für Radfahrende ist die entscheidende Zahl eine andere: Insgesamt sichert die Stadt Nürnberg im Winterdienst rund 300 Kilometer Geh- und Radwege. Das ist viel — aber es ist eben nicht das gesamte Netz.
Womit gestreut wird
Radbezogene Flächen — Radwege und gemeinsame Geh- und Radwege — werden vorrangig mit Sole behandelt. Ist das witterungsbedingt nicht möglich, kommt Feuchtsalz zum Einsatz, also Sole und Salz als Feststoff kombiniert. Ein Teil der Radwege wird nach Angaben von SÖR inzwischen im Rahmen eigener Radwegetouren mit auftauenden Streustoffen gesichert; Wege in Naturschutzgebieten dagegen ausschließlich mit abstumpfenden Mitteln.
Was das für dein Rad heißt, ist unangenehm eindeutig: Sole ist Salzlösung. Sie liegt als feiner Film auf dem Belag, sie spritzt hoch, und sie kriecht überall dorthin, wo Wasser hinkommt — in Kette und Ritzel, in Züge, an Bremsen und vor allem an die elektrischen Steckverbindungen. Ein gesalzener Winter kostet mehr Substanz als drei Sommer. Wie du dagegen vorgehst, haben wir im Artikel zum E-Bike im Winter aufgeschrieben; hier geht es um die Frage, wo du überhaupt durchkommst.
Der Radwegenetzplan Winterdienst von SÖR zeigt, welche Radrouten in welcher Sicherungsstufe bedient werden. Er steht auf der Winterdienst-Seite des Betriebs zum Herunterladen. Wer regelmäßig im Winter fährt, sollte einmal nachsehen, ob die eigene Strecke drin ist — die Antwort ändert oft die Routenwahl.
Nachts wird nicht geräumt
Ein Punkt, der regelmäßig für Ärger sorgt: Bei Schneefall oder Glätte in der Nacht wird nicht geräumt. SÖR verweist darauf, dass die Rechtsprechung weder Behörden noch Anliegern in diesen Stunden eine Räumpflicht auferlegt.
Praktisch heißt das für den Frühschichtpendler: Wenn es nachts geschneit hat, fährst du auf einem Weg, der noch nicht bearbeitet ist — auch wenn er tagsüber zuverlässig geräumt wird. Wer um sechs Uhr losfährt, sollte das einkalkulieren und nicht darauf setzen, dass die Strecke frei ist.
Der zweite Punkt betrifft die Anliegerpflicht. Für Gehwege sind in weiten Teilen die Anlieger zuständig, und wo ein gemeinsamer Geh- und Radweg an Grundstücken entlangführt, hängt der Zustand entsprechend davon ab, wie ernst der Nachbar seine Schaufel nimmt. Der Zustand kann sich deshalb auf wenigen hundert Metern mehrfach ändern.
Die Stellen, an denen es in Nürnberg regelmäßig kritisch wird
Unabhängig vom Räumplan gibt es Stellen, die im Winter überproportional oft für Stürze sorgen. Das sind keine Nürnberger Besonderheiten, aber Nürnberg hat von allen reichlich:
- Straßenbahnschienen auf den Innenstadtachsen — bei Nässe und Frost die klassische Sturzstelle; immer möglichst im rechten Winkel queren
- Brücken über Pegnitz und Kanal — sie kühlen von unten aus und sind früher überfroren als die Strecke davor
- Unterführungen und Rampen — dort sammelt sich Schmelzwasser, das über Nacht wieder gefriert
- Wege im Grünzug und an der Pegnitz — teils wassergebunden und teils in Schutzgebieten, wo nur abstumpfend gestreut werden darf
- Historisches Pflaster in der Altstadt — bei Reifglätte praktisch ohne Grip
- Laub- und Schneereste an den Rändern der Radfahrstreifen, die vom Kfz-Verkehr dorthin geschoben werden
Was daraus für den Winterpendler folgt
Aus der Räumlogik ergibt sich eine ziemlich einfache Strategie. Fahr im Winter nicht die schönste, sondern die gesicherte Route — auch wenn sie einen oder zwei Kilometer länger ist. Der Weg über eine Hauptachse, die gestreut wird, ist im Januar zuverlässiger als der Grünzugweg, der im Sommer die bessere Wahl ist.
Zweitens: Plan mehr Zeit ein und fahr eine Unterstützungsstufe niedriger. Ein Pedelec ist schwer und liefert Antriebsmoment am Hinterrad; auf glattem Untergrund geht es schneller weg, als man es vom unmotorisierten Rad kennt. Gleichmäßig treten schlägt kraftvoll antreten.
Drittens die Sichtbarkeit. Im Dezember ist die Fahrt zur Arbeit und die Fahrt zurück beides im Dunkeln. Fest verbautes Licht am Systemakku, saubere Reflektoren und helle Kleidung sind hier keine Nettigkeit, sondern der Unterschied zwischen gesehen und übersehen werden.
Und viertens: Der günstigste Zeitraum für die Inspektion ist November bis Februar. Im Winter sind die Wartezeiten für Werkstatttermine erfahrungsgemäß kürzer als im Frühjahr, wenn alle gleichzeitig kommen.
Häufige Fragen
Werden die Radwege in Nürnberg gestreut?
Ein Teil davon, ja. Die Stadt sichert nach eigenen Angaben rund 300 Kilometer Geh- und Radwege. Radbezogene Flächen werden vorrangig mit Sole behandelt, bei ungeeigneter Witterung mit Feuchtsalz. In Naturschutzgebieten kommen ausschließlich abstumpfende Mittel zum Einsatz.
Woher weiß ich, ob meine Strecke geräumt wird?
Aus dem Radwegenetzplan Winterdienst, den SÖR auf der Winterdienst-Seite zum Herunterladen anbietet. Dort ist ausgewiesen, welche Radrouten in welcher Sicherungsstufe bedient werden. Ein Blick darauf lohnt sich vor dem ersten Frost, nicht danach.
Wird nachts geräumt?
Nein. Bei Schneefall oder Glätte in der Nacht findet kein Räumdienst statt; SÖR verweist auf die Rechtsprechung, nach der in diesen Stunden weder Behörden noch Anlieger räumpflichtig sind. Wer früh losfährt, trifft im Zweifel auf eine unbearbeitete Strecke.
Was macht das Streusalz mit meinem E-Bike?
Sole und Feuchtsalz kriechen in Kette, Ritzel, Züge, Bremsen und in die elektrischen Steckverbindungen. Das ist der eigentliche Verschleißtreiber im Winter, nicht die Kälte. Nach Fahrten auf gestreuten Wegen hilft eine kurze Wäsche mit lauwarmem Wasser, ohne Hochdruckreiniger, danach trocknen und den Antrieb neu schmieren.
Brauche ich Spikereifen in Nürnberg?
Für die meisten reicht ein grobstolliger Winterreifen. Spikes lohnen sich, wenn du täglich und früh fährst und deine Strecke über Wege führt, die nicht im gesicherten Netz liegen — also dort, wo Reifglätte und festgefahrener Schnee liegen bleiben. Wer sie im Zweifel montiert, fährt entspannter.