Bosch, Shimano, Brose, TQ, Mahle: welches Antriebssystem passt zu dir?
Welches E-Bike-Antriebssystem welchen Herstellers passt zu mir?
Hier geht es um die Systeme der einzelnen Hersteller — wo der Motor sitzt, klärt der Ratgeber zu Mittelmotor und Nabenmotor. Den besten Hersteller gibt es nicht, nur den passenden: Entscheidend sind Charakteristik, Laufgeräusch, Gewicht und die Ersatzteilversorgung über Jahre, nicht die Newtonmeter im Prospekt. Bosch ist am weitesten verbreitet, Shimano und Brose fahren sich anders, TQ und Mahle sind die leichten Alternativen.
Warum die Newtonmeter-Zahl die schlechteste Vergleichsgröße ist
Eine Abgrenzung vorweg, damit du nicht auf der falschen Seite liest: Auf dieser Seite geht es um die Antriebssysteme der einzelnen Hersteller — Bosch, Shimano, Brose, TQ, Mahle — und darum, worin sie sich im Alltag und in der Werkstatt unterscheiden. Die davor liegende Frage, ob der Motor am Tretlager oder in der Nabe sitzen soll, beantwortet der eigene Ratgeber zu Mittelmotor und Nabenmotor. Klär erst die Bauart, dann das System.
Fast jede Motorwerbung führt mit dem maximalen Drehmoment. Das ist verständlich, weil es eine einzelne Zahl ist, die man vergleichen kann. Nur sagt sie über den Alltag erstaunlich wenig aus. Die Nenndauerleistung ist bei allen legalen Pedelecs auf 250 Watt begrenzt, und das Spitzendrehmoment liegt an einem Punkt an, den du auf dem Weg zur Arbeit praktisch nie erreichst.
Was du dagegen bei jeder einzelnen Fahrt spürst, ist die Regelcharakteristik: Wie schnell setzt die Unterstützung nach dem Antritt ein? Wie sauber blendet sie aus, wenn du aufhörst zu treten? Wie verhält sich der Motor beim Anfahren am Berg, wenn du nur eine halbe Kurbelumdrehung Platz hast? Und wie laut ist er in der zweiten Stunde, wenn er warm ist?
Dazu kommt ein Punkt, den kein Test bewertet, weil er sich erst nach Jahren zeigt: Wie gut ist das System versorgt? Bekommt man in fünf Jahren noch ein Display, ein Ladegerät, einen Ersatzakku? Gibt es Software-Updates, und kann eine Werkstatt in der Nähe den Fehlerspeicher überhaupt auslesen? Genau das ist der Unterschied zwischen einem Rad, das man lange fährt, und einem, das nach dem ersten Defekt zum Problemfall wird.
Die Systeme, die uns in der Werkstatt begegnen
Die folgenden Angaben sind Herstellerangaben zu den gängigen Systemen, abgerufen im August 2026. Bitte lies sie mit Ablaufdatum: Die Hersteller verändern Drehmoment und Unterstützungsgrad inzwischen regelmäßig per Software-Update, und was am Ende freigeschaltet ist, entscheidet zusätzlich der Radhersteller. Wir ziehen die Tabelle nach, aber verbindlich ist immer das aktuelle Datenblatt des Herstellers — und welcher Stand auf deinem Rad tatsächlich läuft, sehen wir am Diagnosegerät. Ältere Generationen desselben Namens liegen teils deutlich darunter.
Wichtig zum Lesen der Tabelle: Nabenmotoren wie der Mahle X20 lassen sich nicht direkt mit Mittelmotoren vergleichen, weil der Mittelmotor sein Moment vor der Übersetzung einbringt und der Nabenmotor dahinter. Die Zahlen stehen also nicht auf derselben Skala, auch wenn beide in Newtonmetern angegeben werden.
| System | max. Drehmoment (Herstellerangabe) | Gewicht Motor | Bauart | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|---|
| Bosch Performance Line CX (Gen 5, Smart System) | 85 Nm serienmäßig; per Bosch Performance Upgrade bis 100 Nm (seit Juli 2025), mit dem Performance Update 2.0 bis 120 Nm und 600 % Unterstützung (seit Mai 2026) — Freigabe des Radherstellers vorausgesetzt | ca. 2,8 kg | Mittelmotor, Full Power | E-MTB, Trekking, Cargo |
| Bosch Performance Line SX | 55–60 Nm je nach Software-Stand | ca. 2,0 kg | Mittelmotor, Light Assist | leichte E-MTB, Gravel, sportliches Pendeln |
| Shimano EP801 (EP8) | 85 Nm | ca. 2,6 kg | Mittelmotor, Full Power | E-MTB, Trekking |
| Shimano EP600 (EP6) | 85 Nm | ca. 3,0 kg | Mittelmotor, Full Power | Trekking, City, Cargo |
| Brose Drive S Mag | 90 Nm | ca. 2,9 kg | Mittelmotor mit Zahnriemen im Gehäuse | E-MTB, Trekking, Premium-City |
| TQ HPR50 | 50 Nm | ca. 1,85 kg | Mittelmotor, Light Assist | leichte E-MTB, Gravel, unauffällige Räder |
| TQ HPR60 | 60 Nm | ca. 1,9 kg | Mittelmotor, Light Assist | leichte E-MTB, Gravel |
| Mahle X20 | bis 65 Nm und 275 W Spitzenleistung (Herstellerangabe seit dem Software-Update 2025; davor 55 Nm) | ca. 1,4 kg | Heck-Nabenmotor | E-Rennrad, leichtes Urban-Bike |
Full Power oder Light Assist: die eigentliche Entscheidung
Die relevante Weiche verläuft nicht zwischen den Marken, sondern zwischen zwei Philosophien. Full-Power-Systeme wie Bosch Performance Line CX, Shimano EP801 oder Brose Drive S Mag liefern viel Moment und tragen dafür knapp drei Kilogramm mit sich herum. Sie schieben dich mit Gepäck und Kindersitz jede Rampe hoch und sind die richtige Wahl, wenn du das Rad als Auto-Ersatz nutzt.
Light-Assist-Systeme wie TQ HPR50, Bosch Performance Line SX oder Mahle X20 setzen auf halbes Gewicht und dezente Unterstützung. Das Rad fährt sich ohne Motor noch wie ein Fahrrad, wiegt komplett oft unter 20 Kilogramm und lässt sich in den Keller tragen. Der Preis dafür: An einer steilen Rampe mit vollen Packtaschen musst du selbst mehr beitragen, und die Akkus sind meist kleiner.
Für die dicht bebauten Nürnberger Altbauviertel heißt das ganz praktisch: Wer im Altbau ohne Aufzug wohnt und das Rad täglich in den zweiten Stock trägt, wird mit einem Light-Assist-Rad glücklicher, obwohl es auf dem Papier schwächer ist. Wer aus Feucht oder Lauf pendelt und Gegenwind über offene Felder hat, greift zum Full-Power-System. Diese Frage entscheidet mehr als die Marke.
Was in der Werkstatt tatsächlich auffällt
Geräusch ist der Punkt, über den nach dem Kauf am häufigsten gesprochen wird. Mittelmotoren machen unter Last praktisch immer Geräusche; die Frage ist nur, welche. Brose arbeitet im Gehäuse mit einem Zahnriemen statt einer Zahnradstufe, was das System im Ruf besonders leiser Motoren stehen lässt. TQ setzt auf ein Getriebeprinzip mit sehr vielen gleichzeitig tragenden Kontaktpunkten und ist ebenfalls für Laufruhe bekannt. Bosch und Shimano sind unter Volllast deutlicher hörbar — was viele Kunden gar nicht stört, sobald sie es einmal gefahren sind.
Der zweite Punkt ist der Freilauf. Wenn du ohne Unterstützung fährst oder über 25 km/h rollst, entkoppeln manche Systeme den Motor besser als andere. Ein System, das dabei spürbar bremst oder rasselt, nervt auf jeder Abfahrt. Das merkst du auf der Probefahrt nur, wenn du bewusst auch einmal im Aus-Modus fährst — mach das.
Der dritte Punkt ist der, den wir am ehesten in Rechnungen sehen: Kettenverschleiß. Kräftige Mittelmotoren mit ruppiger Kennlinie fressen Ketten und Ritzel schneller als sanft regelnde. Wer diesen Verschleiß nicht im Blick behält, tauscht am Ende die ganze Antriebsgruppe statt nur der Kette. Wie du das misst, steht im Artikel zum Antriebsverschleiß.
Der vierte Punkt betrifft die Diagnose. Bosch ist im Raum Nürnberg mit Abstand am weitesten verbreitet, entsprechend gut ist die Werkstattversorgung. Shimano lässt sich über E-TUBE auslesen. Bei kleineren oder sehr jungen Systemen hängt viel davon ab, ob der Radhersteller die Werkstattkette mit Diagnosezugang und Ersatzteilen versorgt. Frag vor dem Kauf, wer im Fall der Fälle rankommt.
Neue Systeme: was wir sagen können und was nicht
Seit 2025 mischen Anbieter aus anderen Branchen mit. DJI gibt für sein Avinox-System je nach Fahrmodus bis zu 120 Nm und 1.000 Watt Spitzenleistung an — im normalen Modus sind es beim M1 105 Nm und 850 Watt. Das liegt deutlich über dem, was Bosch, Shimano oder Brose serienmäßig nennen. Inzwischen ist mit dem M2 bereits die nächste Generation im Markt, was den Punkt gut illustriert: Ob sich ein solches System über fünf Jahre Werkstattalltag bewährt, lässt sich heute schlicht noch nicht sagen. Wir führen es nicht und geben deshalb auch keine Erfahrungswerte dazu ab, die wir nicht haben. (Angaben abgerufen im August 2026.)
Dasselbe gilt für die Software-Updates, mit denen Hersteller inzwischen nachträglich Drehmoment und Unterstützungsgrad verändern — Bosch hat die Performance Line CX so binnen eines Jahres von 85 auf bis zu 120 Nm gebracht, Mahle den X20 von 55 auf 65 Nm. Das ist praktisch, macht aber jeden Prospektvergleich zur Momentaufnahme, und ob dein Rad ein solches Update überhaupt bekommt, entscheidet der Radhersteller. Wenn dich ein konkreter Wert interessiert, schau ins aktuelle Datenblatt des Herstellers oder bring das Rad vorbei — am Diagnosegerät steht, was tatsächlich freigeschaltet ist.
Unser Rat: Kauf kein System, für das es im Umkreis von fünfzig Kilometern keine Werkstatt gibt, die es auslesen kann. Ein Motor, der drei Wochen auf ein Ersatzteil aus dem Ausland wartet, ist auch dann ärgerlich, wenn er im Test gewonnen hat.
Wie du im Laden richtig vergleichst
Nimm dir zwei Räder mit unterschiedlichen Systemen und fahr dieselbe Runde. Nicht die Runde ums Haus — such dir eine Steigung, eine Ampel zum Anfahren und ein Stück, auf dem du über 25 km/h kommst. Das sind die drei Situationen, in denen sich Systeme wirklich unterscheiden.
Achte beim Anfahren darauf, ob der Motor ruckt oder sanft einsetzt. Achte an der Steigung darauf, ob du in einen kleinen Gang schalten musst oder ob das System auch bei niedriger Trittfrequenz noch drückt. Achte über 25 km/h darauf, ob du das Gefühl hast, gegen etwas anzutreten.
Und hör hin. Ein Motorgeräusch, das dich beim ersten Mal stört, stört dich in zwei Jahren immer noch. Wer das vorher ausprobiert, spart sich den teuersten aller Fehlkäufe.
- Steigung fahren, im schweren und im leichten Gang
- aus dem Stand an der Ampel anfahren
- einmal über 25 km/h rollen und den Freilauf beurteilen
- ein Stück ohne Unterstützung fahren
- das Rad tragen oder in den Kofferraum heben
Häufige Fragen
Sind 85 Nm besser als 65 Nm?
Nur wenn du das Moment auch brauchst. Für flaches Pendeln in Nürnberg reichen 50 bis 65 Nm völlig. Mehr Drehmoment bedeutet meist mehr Motorgewicht, mehr Kettenverschleiß und höhere Anschaffungskosten. Sinnvoll wird viel Moment bei Cargo-Rädern, schwerem Gepäck und steilen Anstiegen in der Fränkischen.
Welcher Motor ist am leisesten?
Brose und TQ gelten als besonders laufruhig, weil beide bauartbedingt auf sehr geräuscharme Kraftübertragung setzen. Bosch und Shimano sind unter Last hörbarer. Wie störend das ist, hängt stark von dir und vom Rahmen ab, der den Schall überträgt. Hör dir das auf der Probefahrt selbst an.
Kann ich später einen anderen Motor einbauen lassen?
In aller Regel nicht. Motoraufnahme, Kabelführung, Akkuschacht und Display sind auf ein System zugeschnitten und Teil der Rahmenkonstruktion. Ein Systemwechsel bedeutet praktisch ein neues Rad. Deshalb ist die Entscheidung für ein Antriebssystem beim Kauf eine Entscheidung für die gesamte Lebensdauer des Rades.
Was bringen die Software-Updates der Hersteller?
Meist Fehlerbehebungen, gelegentlich neue Fahrmodi und in einzelnen Fällen mehr Unterstützung oder Drehmoment. Ob dein Rad ein Update bekommt, hängt an Motorgeneration und Displaytyp. Freigegebene Updates spielen wir in der Regel bei der Inspektion mit auf — sprich uns an, ob das bei deinem System geht. Fragen kostet nichts.
Warum ist mein Motor lauter geworden als früher?
Häufigste Ursachen sind ein verschlissener Antrieb, ein loses Kettenblatt, eine trockene Kette oder Lagerspiel im Motor. Nicht jedes neue Geräusch ist ein Motorschaden — oft sitzt die Ursache daneben. Komm damit vorbei, bevor du auf Verdacht Teile tauschst. Zuhören und Fehlerspeicher auslesen kostet uns zehn Minuten.
Führt ihr alle diese Systeme?
Nein. Wir führen die Marken, die wir auch selbst betreuen können, und sagen offen, wenn ein System nicht dazugehört. Über Antriebe, mit denen wir keine eigene Werkstatterfahrung haben, geben wir keine Empfehlung ab. Was wir aktuell im Programm haben, siehst du auf unserer Markenseite.